Interview mit Roberto

Was sind die Vorteile des Programms im Vergleich zu anderen Masterstudiengängen und Doktorandenprogrammen, die angeboten werden?

Die diversen Auslandsaufenthalte in Paris an der EHESS, für ein Jahr während des Masterstudienganges sowie regelmäßige Forschungsreisen im Verlaufe der Promotion, habe ich als große Bereicherung im Hinblick auf meinen Werdegang als Wissenschaftler empfunden. Das kritische Hinterfragen und Praktizieren von Methoden sowie die Nähe zu den historischen Quellen im Zuge der Archivrecherchen haben nach meinem Dafürhalten noch größere Bedeutung als in den meisten nationalen Studien- und Promotionsprogrammen. Nationale Eigenheiten der deutschen und französischen Geschichtsschreibung, die sich im Verlaufe des 19. und 20. Jahrhunderts herausbilden konnten, werden kritisch rezipiert und hinterfragt, wodurch man ein tiefgreifendes Verständnis für die Historie und Kultur des jeweils anderen Landes gewinnt.

Das deutsch-französische Master- und Promotionsprogramm lebt von einer besonderen Form der reziproken Betreuung und Qualitätskontrolle: den deutsch-französischen Ateliers, die abwechselnd in Paris und Heidelberg stattfinden. Die Permanenz und Intensität des gegenseitigen Forschungsaustausches zum eigenen Projekt sowie zu unterschiedlichsten Themen zwischen den Teilnehmern und Beauftragten des Programms kenne ich aus anderen Master- und Promotionsformaten nicht. Die Ateliers bieten eine wertvolle Plattform, professionelle Aufbereitung und Vermittlung von Forschung zu erlernen und kontinuierlich zu verbessern. Aufgrund seines bi-nationalen Organisationszuschnitts hat mir das deutsch-französische Master- und Promotionsprogramm es bereits sehr früh ermöglicht, mich international mit anderen Kollegen und Kolleginnen zu vernetzen (Deutschland, Frankreich, Italien) und erste Erfahrungen im wissenschaftlichen Publizieren zu sammeln.

Nicht jeder Teilnehmer des Programms schlägt eine Laufbahn in der Wissenschaft ein. Gerade aber auch für Karrieren in der freien Wirtschaft, der Kommunikationsbranche oder an staatlichen Institutionen oder im Parteien- und Stiftungswesen bietet das Programm meiner Ansicht nach viel. Ich habe das deutsch-französische Master- und Promotionsprogramm stets als eine Chance zur Erweiterung und Schärfung meiner linguistischen und kulturellen Fähigkeiten betrachtet. Letztere, Sprach- und interkulturelle Kompetenzen, sind in einem längst nicht mehr allein national organisierten Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der europäischen Einigung von großem Vorteil.

Wie war das für dich, ein Jahr lang in einem anspruchsvollen Studiengang im Ausland zu studieren?

Zu Beginn, also unmittelbar nach Antritt des Master 1 in Paris, war ich natürlich durchaus aufgeregt und wusste nicht, was alles an der EHESS, einer der renommiertesten Hochschulen des ganzen Landes, auf mich zukommen würde. Aber man sucht sich einen Betreuer bzw. eine Betreuerin, dessen/deren Tür zu jedem Zeitpunkt für die neuen Masterstudenten offen steht. Dabei ist es vollkommen unerheblich, um welches Problem es sich handelt – ob wissenschaftlich-fachlicher oder persönlich-sozialer Natur. Diese Form der intensiven Betreuung vor Ort hat mir das wissenschaftliche Arbeiten und Leben in Paris sehr erleichtert, da ich wusste, dass ich mich jederzeit an eine erfahrene Vertrauensperson wenden konnte.

Ich musste mich zunächst an Konzeption und Ablauf der Lehrveranstaltungen an der EHESS gewöhnen. Seminare sind wesentlich diskursfreudiger angelegt, als ich dies bis dahin aus der deutschen Universitätslandschaft kannte. Aber auch diesen Umstand habe ich als Vorteil empfunden, war dies doch ein wertvolles Training für meine Fähigkeiten, im Rahmen eines fachlichen Schlagabtausches geschickt zu argumentieren.

Konntest du dich schnell an das Leben im Ausland anpassen?

Ich hatte das Glück und Privileg, in der Cité internationale Universitaire de Paris, speziell dort in der Maison Heinrich Heine, dem Deutschen Haus, wohnen zu dürfen. Hierbei sollte man sich nicht von der Bezeichnung „Deutsch“ in die Irre führen lassen. Alle Nationenhäuser zeichnen sich durch einen Mindestanteil an Bewohnern aus, die nicht aus dem betreffenden Bezugsland, sondern aus aller Welt stammen. Hierdurch bedingt hatte ich jeden Tag Gelegenheit, mein Französisch zu verbessern.

Paris bietet aufgrund seiner ausgezeichneten Infrastruktur – damit meine ich vor allem die Métro, die innerhalb der Stadt verkehrenden S-Bahnverbindungen des Réseau Express Régional (RER ) sowie die Straßenbahn – die Möglichkeit, alle Winkel der Stadt problemlos zu erreichen. Ist einem etwa das Sortiment des nächsten Supermarktes zu begrenzt und/oder zu teuer, kann man jederzeit weiter außerhalb der städtischen Zentren einkaufen. Bankfilialen, in denen man ein Konto eröffnen möchte, finden sich überall. Einen Monats- oder Jahrespass der örtlichen Verkehrsgesellschaft kann man an entsprechenden Schaltern oder mittlerweile auch online beantragen.

Insgesamt empfand ich das Leben in Paris wenig überraschend als teuer, wobei sich wie bereits erwähnt durch geschicktes Einkaufen viel kompensieren ließ. Etwas lästig waren die beinahe regelmäßigen Streiks, welche bisweilen den Schienenverkehr lahm legten. Auch an Universitäten, der französischen Nationalbibliothek und staatlichen Archiven kam es vereinzelt zu Streiks, was zu kleineren Verzögerungen meiner Forschungsarbeit führte. Generell jedoch kann ich im Rückblick sagen, dass man sich an Streiks schnell gewöhnt und diese nicht zuletzt als wichtigen Teil der politischen Kultur in Frankreich zu respektieren lernt.

Wie hat dich das Programm im Hinblick auf deine Berufswahl/auf deinen weiteren Lebensweg beeinflusst?

Ich hatte bereits vor dem Antritt des Masters den Gedanken, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Die Professionalität, mit der an der EHESS und der Universität Heidelberg geforscht und gelehrt wird, hat mich darin bestärkt, eine deutsch-französische Promotion zu beginnen und langfristig einen akademischen Weg einzuschlagen.

Welche Tipps hast du für zukünftige Teilnehmer des Studien- und Doktorandenprogramms?

Vor allem in der Anfangsphase des Masterstudiengangs, also zu Beginn des Auslandsaufenthaltes, hat man für gewöhnlich viele Fragen administrativer, organisationeller und bezogen auf das eigene Forschungsprojekt fachlich-wissenschaftlicher Natur. Bisweilen kann sich das Gefühl von Überforderung einstellen. So war es bei mir anfangs auch. Dies legt sich jedoch erfahrungsgemäß schnell wieder. Ich würde empfehlen, in entsprechenden Situationen ruhig zu bleiben, bei Fragen sich an die Betreuer und an die Kommilitonen im Programm zu wenden. Ich habe sehr davon profitiert, dass wir im Masterjahrgang untereinander sehr enge Kontakte gepflegt haben. Wenn jemand etwa einen wichtigen Termin nicht mehr erinnern konnte oder bei einer Prüfungsleistung nicht weiter wusste, haben wir uns gegenseitig geholfen.

Der erste Gang ins Archiv und die damit verbundene Untersuchung von handschriftlichem Quellenmaterial kann mitunter einschüchternd sein. Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, wie Archive überhaupt funktionieren, wie man originalhandschriftliche Quellendokumente liest und innerhalb der Massen an Archivmaterial priorisiert und auswählt. Dies ist vollkommen normal und sollte nicht entmutigen.

Zum Ende der beiden Masterphasen, dies gilt sowohl für den Master 1 als auch den Master 2, koinzidiert die Abfassung der jeweiligen Abschlussarbeiten mit den diversen Prüfungsleistungen (schriftlich und/oder mündlich) der Seminare, Vorlesungen und Übungen. Hier sollte man ein gutes Arbeitszeit-Management verfolgen. Frühzeitiges Beginnen – etwa schriftliche Hausarbeiten bereits inmitten des Semesters/Universitätsjahres fertigzustellen – kann gerade für die letzten Wochen der Prüfungsphase spürbare Entlastung bringen.

Außer der Archivrecherche, den zu absolvierenden Lehrveranstaltungen und Prüfungsleistungen hat man natürlich auch Freizeit. Ich würde empfehlen, diese zu nutzen und nicht gering zu achten. Auch Verabredungen oder Leseaufenthalte in einem der zahlreichen pittoresken Pariser Kaffees, gemeinsames Kochen, mit Freunden auszugehen und die großartigen Museen der Stadt zu besuchen – ein Ausflug zu den beeindruckenden Schlössern von Versailles und Fontainebleau ist meiner Meinung nach ein Muss – ist, so denke ich, ein essentieller Bestandteil des deutsch-französischen Master- und Promotionsprogramms. Umgekehrt gilt dies natürlich ebenso für den Auslandsaufenthalt im schönen Heidelberg.

Wie hast du deinen Alltag im anderen Land erlebt? An einem Studientag, an einem Wochenende? Beschreibe uns einen typischen Tag im Leben eines Studenten in diesem Programm.

Hatte ich unter der Woche ein Seminar an der EHESS, bin ich für gewöhnlich morgens in die RER-Linie B an der Station Cité internationale Universitaire eingestiegen. Der Berufsverkehr ist in Paris sehr ausgeprägt, die Züge dem entsprechend sehr voll, woran ich mich allerdings rasch gewöhnen konnte. Nach der Lehrveranstaltung habe ich mich häufig mit einem oder mehreren meiner Kommilitonen aus dem Programm auf einen Kaffee getroffen, wobei es uns häufig in die Nähe oder gleich in den Jardin du Luxembourg verschlagen hat. Auch im Stadtviertel Marais, wo sich das Deutsche Historische Institut befindet und wir das obligatorische Deutsch-französische Seminar absolviert haben, sind wir oft in den nahen Cafés eingekehrt und haben uns zu unseren Veranstaltungen, aber auch Privatem ausgetauscht. Wenn mein Universitätstag endete, bin ich in einem der zahlreichen Franprix-Supermärkte oder im nur wenige hundert Meter von der Cité entfernten Lidl einkaufen gegangen, habe die Einkäufe in meinem Kühlschrank in der Maison Heinrich Heine verstaut und anschließend entweder mich meinem Forschungsprojekt gewidmet oder habe ein Seminar nachbereitet. Die freie Zeit an den Wochenenden habe ich für diverse Ausflüge nutzen können.

Warum kannst du eine Mitgliedschaft beim Alumni-Verein HEIPAR empfehlen?

HEIPAR bietet den Programmteilnehmern wertvolle Beratung und Hilfestellung bei allen möglichen Themen an. Der Verein organisiert regelmäßig im Nachgang der Ateliers und darüber hinaus wichtige Treffen, zu denen prominente Historiker, ehemalige Absolventen des Programms und Personen von außerhalb eigeladen werden, die über ihre beruflichen Erfahrungen in Wissenschaft, Wirtschaft, Organisationen und Institutionen berichten und sich bereitwillig den Fragen der Programmteilnehmer stellen. Außerdem gelingt mithilfe des Alumni-Vereins HEIPAR eine gezieltere und wirkungsvollere Vertretung der studentischen Interessen bzw. der Interessen der Doktoranden gegenüber den Programmbeauftragten.