Am 08. Juli lud HEIPAR zum sechsten Teil der Karrierevortrag-Reihe ein. Die Gäste erhielten einen Einblick in die Welt des Museums und des Archivs. Zwei Absolventen des deutsch-französischen Programms, Dr. Julius Gerbracht und Dr. Aaron Jochim, erzählten von ihren Berufen als Archivar und Sammlungsleiter.
Der Weg ins Museum/Archiv
Klassisch ist in Deutschland das zweijährige Volontariat in einem Museum, wobei das Deutsch-Französische Jugendwerk während dieser Phase zweimonatige Aufenthalte im Nachbarland fördert. Beim absolvierten Archivreferendariat handelte es sich hingegen um eine staatliche Ausbildung, für die eine Bewerbung bei einem Archiv nötig war und deren theoretischer Teil in der Archivschule Marburg erfolgte. Möglich sind aber auch Masterstudiengänge für Archivwissenschaften in Potsdam oder für Museologie in Würzburg, Oldenburg oder Tübingen sowie der Quereinstieg.
Für Frankreich, wo es kein Volontariat in diesem Sinne gibt, wären u.a. die École nationale des chartes (Archiv- und Bibliothekswesen), die École du Louvre und das Institut national du patrimoine (Museumswesen/Kunstgeschichte) zu nennen. Nützlich sind außerdem studienbegleitende Praktika in verschiedenen Einrichtungen.
Der Berufsalltag
Es wurde deutlich, dass im Museum verschiedene Abteilungen ineinandergreifen müssen, damit Ausstellungen erfolgreich ablaufen können. Daher spielen Teamwork und Kommunikation eine wichtige Rolle im Museum. Bei der Entwicklung einer Ausstellung hilft es, wenn das Thema inhaltlich zu den Forschungsschwerpunkten im Studium passt. Auch im Archiv sei Teamwork elementar. Zudem sollte man für das Archiv Interesse an Informationstechnologien haben.
Zentrale Aufgaben im Museum sind die Objekterschließung, Erstellung von Datenbanken, Bearbeitung von wissenschaftlichen Anfragen und die Überprüfung von Schenkungsangeboten.
Ähnlich sieht es mit den Aufgaben im Archiv aus, denn auch hier zählen zu den Aufgaben die Beantwortung wissenschaftlicher Anfragen und die Erstellung von Datenbanken. Hinzu kommen die Erfassung von Metadaten sowie des Archivguts und die Übernahme von Nachlässen. Die Verteilung des Arbeitspensums hängt von der Archivsparte ab (Bund, Land, Kommune, Kirche, Unternehmen, Universität, Freie Archive).
Welchen Nutzen haben ein Promotionsabschluss und der deutsch-französische Abschluss?
Die Französischkenntnisse seien für ihre Berufe sehr nützlich, so die beiden Absolventen. Die Kommunikation mit Leihgebern aus Frankreich funktioniere sehr gut und die Erschließung französischer Quellen läuft tadellos.
Viele Mitarbeiter im Museum haben einen Promotionsabschluss, gerade mit Blick auf Leitungsaufgaben und Personalführung. Dr. Aaron Jochim beobachtet aber auch, dass viele neue Kollegen im Museum keine Promotion anstreben. Für eine Archivkarriere muss eine Promotion keine zwingende Voraussetzung sein, kann aber einen großen Mehrwert bringen. Ein laufendes Dissertationsprojekt könne unter Umständen schwierig mit einer Ausbildung im Archiv in Einklang zu bringen sein.